Regenbogen-Seelsorger Jansen: Entsetzen über Hate-Crime reicht nicht
Nach den jüngsten Razzien gegen eine Gruppe, die homosexuelle Männer mit Fake-Accounts in eine Falle gelockt und misshandelt haben soll, zeigt sich Pfarrer Gregor Jansen vom Leitungsteam der römisch-katholischen Regenbogenpastoral Österreich bestürzt. "Viele Menschen sind erschüttert über diese abscheulichen Angriffe auf homosexuelle Menschen, die nicht nur körperlich misshandelt, sondern durch Videoaufnahmen zusätzlich bloßgestellt wurden", so Jansen in einem Gastkommentar in der Wiener Kirchenzeitung "Der Sonntag" (Ausgabe 13/2025). Pfarren und kirchliche Institutionen müssten sich "klar als queersensibel und diversitätsfreundlich positionieren", forderte Jansen, der auch Kartellseelsorger für den Mittelschüler-Kartellverband Österreich ist.
Hintergrund sind Razzien wegen des Verdachts auf Hassverbrechen ("Hate Crimes") gegen Homosexuelle in sieben Bundesländern, bei denen 18 Personen im Alter zwischen 14 und 26 Jahren festgenommen wurden. Sie sollen homosexuellen Männern fälschlicherweise Pädophilie unterstellt, sie über Social Media mit Fake-Accounts angelockt und anschließend misshandelt haben. Es gab Hausdurchsuchungen an 26 Orten in sieben Bundesländern.
Kirche gefordert
Kritisch äußerte sich der Pfarrmoderator der Wiener Gemeinde Breitenfeld zur mangelnden Unterstützung von LGBTIQ+-Gemeinschaften durch die Kirche: "Wir erleben eine gesellschaftliche Entwicklung, in der radikale Gruppen sich zu solchen Taten ermutigt fühlen und zugleich queere Menschen Angst haben, sich offen zu zeigen. Ich frage mich, ob wir als Kirchen genug dafür tun, dass sich LGBTIQ+ in unseren Gemeinschaften heimisch und sicher fühlen können."
Neben Homosexuellen seien zunehmend auch Transpersonen Opfer von Hassverbrechen, betonte Jansen. Besonders problematisch sei die Strategie der Täter, ihre Angriffe durch die Verleumdung als "pädophil" zu rechtfertigen.
Jansen verwies auf die wiederholten Appelle von Papst Franziskus zur Inklusion in der Kirche. Der Papst hatte in einem Interview anlässlich seines zehnjährigen Pontifikats im März 2023 betont: "Ich stelle mir die Kirche als Mutter vor, die alle Menschen aufnimmt und willkommen heißt, auch diejenigen, die sich im Unrecht fühlen und die von uns in der Vergangenheit verurteilt wurden." Dies schließe auch explizit homosexuelle und transgeschlechtliche Menschen ein.
Es stelle sich laut Jansen die Frage, ob die Kirche "diesen Auftrag zur Inklusion und Diversität" wirklich lebe und sich "kirchliche Orte als 'safe spaces'" präsentieren. Der Pfarrmoderator von Wien-Breitenfeld verwies dabei auf das Beispiel Jesu, der hinausgegangen sei, "um Menschen zu begegnen, die am Rande der Gesellschaft lebten". Die Kirche müsse diesem Beispiel folgen und insbesondere queeren Menschen, "die innerhalb der Kirche oft marginalisiert werden: Ihnen das Gefühl geben, zu Hause zu sein, insbesondere denen, die getauft sind und zum Volk Gottes gehören". Als positives Beispiel nannte Jansen entsprechende Pastoralkonzepte oder das Prädikat der "Regenbogenpastoral Österreich" "a+o | akzeptierend und offen".
Regenbogenpastoral
Die Regenbogenpastoral Österreich ist eine Plattform des "Forum Beziehung, Ehe und Familie" der Katholischen Aktion Österreich, die Mitglied des Global Network of Rainbow Catholics ist. Sie dient der Vernetzung queersensibler, regenbogenpastoraler Initiativen in der römisch-katholischen Kirche in Österreich.
Unser Anliegen und Auftrag ist die Etablierung, Strukturierung und Weiterentwicklung der Regenbogenpastoral auf der Höhe des aktuellen wissenschaftlichen, gesellschaftspolitischen und theologischen Diskurses.
(jp/28.3.2025)